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Fasten im Christentum

Die wichtigste Fastenzeit im Christentum ist die Zeit zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag. Allerdings sind die darauffolgenden Tage, Karfreitag und Karsamstag ebenfalls Fastentage, die jedoch nicht zur Osterfastenzeit hinzuzählen, sondern einen eigenständigen Status haben. Außerdem werden die Sonntage während dieser Periode nicht als Fastentage gezählt, womit insgesamt 40 Fastentage übrig bleiben.

Der Hauptgrund für diese Fastenzeit ist die ebenfalls 40-tägige Fastenzeit Jesu in der Wüste, welche im neuen Testament beschrieben wird:1)

Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel versucht werden. 2 Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. 3 Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. 4 Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Matthäus, 4,1-11

Außerdem ist es üblich, dass ganzjährig Mittwochs und Freitags zumindest auf Fleisch verzichtet wird, im Gedenken an den Verrat Jesu am Aschermittwoch und seine Kreuzigung am Karfreitag.

Allerdings fasten die meisten Christen nicht durch den vollständigen Nahrungsverzicht, sondern verzichten beispielsweise „nur“ auf Dinge die ihnen wichtig sind, wie beispielsweise das Autofahren, Fleisch oder Alkohol.

Eingeführt wurde diese Tradition durch den Papst Gregor im Jahr 590, welcher festlegte2)

„Während der 40-tägigen Fastenzeit ist es verboten, das Fleisch von warmblütigen Tieren zu essen“

In den folgenden Jahrhunderten wurden die Fastenregeln zunächst immer weiter verschärft. So war bis zum Ende des 15. Jahrhunderts sogar der Konsum von Tierprodukten während der Fastenzeit verboten.

In dieser Zeit wurden die Menschen immer erfindungsreicher und entwickleten eine Vielzahl von Rezepten die es erlaubten versteckt Fleisch zu essen. Beispielsweise wurde Fleisch in Fischform gebracht, oder eben auch in Maultaschen versteckt.3) Außerdem spezialisierten sich viele Kloser darauf spezielles, besonders hahrhaftes Klosterbier herzustellen. Der Konsum dieses Biers war legal da „liquidum non frangit ieiunium“ (Latein für „Flüssiges bricht Fasten nicht“). Ebenso kam es vor, dass beispielsweise Wildschweine bis ins Wasser getrieben wurden und dort getötet, da der Konsum von „Fischen“ erlaubt war.

Durch solche Praktiken geriet das Fasten mehr und mehr in Verruf und wurde in der Folge beispielsweise von Reformatoren wie Martin Luther strikt abgelehnt.

Erst im 20. Jahrhundert wurde das Fasten auch im Christentum wieder populärer und beispielsweise in der Form des Klimafastens oder Autofastens modernisiert.

In manchen strengeren Varianten des Christentums, wie beispielsweise dem griechisch-orthodoxen Christentum gibt es zusätzlich eine Vielzahl ausgedehnter Fastenperioden.

1)
Darüberhinaus sind 40 Tage eine übliche Periode im Christentum, da beispielsweise die Israeliten 40 Tage durch die Wüste wanderten (Ex 16,35), Moses 40 Tage auf dem Berg Sinai verbrachte (Ex 24,18) und 40 Tage nach Jesu Auferstehung Christi Himmelfahrt gefeiert wird (Apg 1,3).
3)
Dieser Tatsache ist auch der Spitzname „Herrgottsb’scheißerle“ für Maultaschen geschuldet.
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spirituelles_fasten/christentum.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/18 14:56 von Jakob Berg