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Fasten Mythen und Vorurteile

Obwohl Menschen seit Jahrtausenden Fasten haben die meisten Menschen, oftmals vollkommen unbegründete, Vorurteile was die Gefahren des freiwilligen Nahrungsverzichts angeht.

Ein häufiger Grund für diese Vorurteile ist, dass Fasten mit Hungern verwechselt wird.

Der Unterschied zwischen Fasten und Hungern ist, dass man bei ersterem stets die Kontrolle behält. Mit Hungern bezeichnet man den ungewollten Verzicht auf Nahrung. Hungern ist nichts freiwilliges und kontrolliertes. Hungernde Menschen haben keine Ahnung wann sie das nächste mal etwas zu essen bekommen.

Im Gegensatz dazu, geht es beim Fasten um den bewussten und freiwilligen Verzicht. Die Gründe warum Menschen fasten sind vielfältig und reichen von gesundheitlichen bis zu spirituellen Gründen. Während dem Fasten ist Nahrung prinzipiell immer vorhanden, aber man entscheidet sich bewusst dazu nichts zu essen.

Anders ausgedrückt könnte man sagen, dass der Unterschied zwischen Fasten und Hungern der gleiche ist, wie zwischen dem freiwilligen Freizeitsjoggen und dem Wegrennen vor einem wilden Tier.

Weitere typische Vorurteile sind:

Durch das Fasten schaltet der Körper in den Hungermodus
Ein weiterverbreitetes Vorurteil gegenüber dem Fasten ist, dass der Körper in den sogenannten „Hungermodus“ schaltet, also nur noch auf Sparflamme läuft.

Was prinzipiell logisch klingt, kann heutzutage wissenschaftlich leicht widerlegt werden.

Das wissenschaftliche Maß für die Basis-Menge an Energie die der Körper verbraucht wird als basale Stoffwechselrate, oder auch Grundumsatz, bezeichnet.1)

Die basale Stoffwechselrate hängt von vielen Faktoren ab. Beispielsweise in einer kalten Umgebung ist deutlich mehr Energie nötig um den Körper am laufen zu halten und der Grundumsatz steigt um bis zu 40%.

Bei normalen Diäten wird die tägliche Kalorienzufuhr stark reduziert und die basale Stoffwechselrate sink in der Regel dramatisch. Beispielsweise bei einer Reduktion der Kalorien von 2500 auf 1500 pro Tag pendelt sich die basale Stoffwechselrate auf einem um ist zu 30% niedrigeren Wert ein.

Symptome eines reduzierten Grundumsatzes sind ein gestiegenes Kälteempfinden, Müdigkeit, Hungergefühle und Kraftlosigkeit. Aus diesem Grund geht es den meisten Menschen miserabel während einer Diät. Mit einer reduzierten basalen Stoffwechselrate ist der Körper im Hungermodus und versucht zu vermeiden, dass ihm die Fettreserven ausgehen.

Allerdings konnte in wissenschaftlichen Studien gezeigt werden, dass beim Fasten die basale Stoffwechselrate keinesfalls reduziert wird.2)

Der Grund hierfür ist, dass andernfalls Menschen während der Steinzeit überhaupt nicht hätten überleben können. Zu dieser Zeit gab es immer wieder Tage ohne Nahrung. Würde der Körper sein Leistungsvermögen heruntergefahren, wäre die Chance neue Nahrung zu finden deutlich geringer. Stattdessen wird während Perioden ohne Nahrung der Grundumsatz sogar erhöht um die Chancen zu überleben zu erhöhen.

Durch Fasten verliert man Muskeln
Während einer Fastenperiode muss der Körper auf interne Energiereserven zurückgreifen. Prinzipiell stehen ihm Reserven in der Form von Fettreserven und eben auch Muskelmasse zur Verfügung, die verbrannt werden können um Energie zu gewinnen.

Allerdings haben Studien gezeigt, dass beim Fasten immer zuerst auf die Fettreserven zurückgegriffen wird. Die Muskelmasse wird erst angegriffen, wenn der Körperfettanteil unter 4% fällt. Außerdem konnte gezeigt werden, dass die Protein-Oxidationsrate, also der Abbau von Muskelmasse, während einer Fastenperiode sogar reduziert wird, verglichen mit der Rate während einer Periode in der normal gegessen wird. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass der Körper wenn keine Nahrung zugeführt wird, aktiv versucht die Muskelmasse beizubehalten.3)

Dieser Mechanismus macht Sinn von einem evolutionärem Standpunkt aus gesehen, da der menschliche Körper Jahrtausende lang mit Perioden ohne Nahrung auskommen musste. Würde der Körper aber während solcher Dürrephasen die Muskeln abbauen, würde dies die Erfolgschancen bei der Nahrungssuche entscheidend verringern.

Fasten kann lebensbedrohlich sein
Kurzzeitfasten wie beim Intervallfasten ist extrem risikoarm und kann von gesunden, wohlernährten Menschen ohne negative gesundheitliche Folgen durchgeführt werden.

Zudem gibt es keine Berichte von Toten bei längerfristigen Fastenkursen und in Studien konnte gezeigt werden, dass alle Körperparamter innerhalb der Normbereiche bleiben.4)

Fasten macht dick
Fasten kann nur dann zu einer Gewichstzunahme führen, falls an Aufbautagen übermäßig viel Nahrung aufgenommen wird um die Fastenzeit wieder aufzuholen.

Wird dagegen normal gegessen, als hätte man überhaupt nicht gefastet, ist Fasten eine effektive Methode um Gewicht zu verlieren. Der Hauptgrund hierfür ist, dass einerseits durch die Fastenperiode weniger Kalorien konsumiert werden, und andererseits, dass der Metabolismus angekurbelt wird; der Körper also auch mehr Kalorien verbraucht.

Beim Fasten können krankheitsähnliche Symptome auftreten
Nur falls während einer Fastenperiode zu wenig getrunken wird, kann es vorkommen, dass Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und ähnliche Symptome auftreten.

Wird genügend getrunken, sind nahezu alle Fastenden nicht nur beschwerdefrei, sondern empfinden sogar ein verbessertes allgemeines Wohlbefinden.5)

Sollten dennoch Krankheitssymptome auftreten, sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden.

Fasten führt zu ungesunden Ernährungsgewohnheiten oder sogar zu Essstörungen
Dieses weitverbreitete Vorteil konnte kürzlich im Rahmen einer Intervallfasten-Studie entkräftet werden. Bei keinem der Studienteilnehmer konnten anschließend ungesunde Essgewohnheiten oder Essstörungen festgestellt werden.6)
1)
Der Körper benötigt ständig Energie, beispielsweise um die Funktionsweise der Lungen, des Herzens und anderer Organe sicherzustellen. Die meisten Kalorien die pro Tag verbraucht werden sind nicht für sportliche Aktivitäten nötig, sondern einfach dafür, dass die Grundfunktionen des Körpers funktionieren.
2)
A. M. Johnstone, P. Faber, E. R. Gibney, M. Elia, G. Horgan, B. E. Golden, and R. J. Stubbs, “Effect of an Acute Fast on Energy Compensation and Feeding Behaviour in Lean Men and Women,” International Journal of Obesity 26, no. 12 (2002): 1623–8, Zauner et al., “Resting Energy Expenditure in Short-Term Starvation Is Increased as a Result of an Increase in Serum Norepinephrine.”
3)
McCue, ed., Comparative Physiology of Fasting, Starvation, and Food Limitation., Leonie K. Heilbronn, Steven R. Smith, Corby K. Martin, Stephen D. Anton, and Eric Ravussin, “Alternate-Day Fasting in Nonobese Subjects: Effects on Body Weight, Body Composition, and Energy Metabolism,” American Journal of Clinical Nutrition 81, no. 1 (2005): 69–73, Bhutani et al., “Improvements in Coronary Heart Disease Risk Indicators by Alternate-Day Fasting Involve Adipose Tissue Modulations.”
4)
Haugen M, Kjeldsen-Kragh J, Skakkebæk N et al. (1993): The influence of fast and vegetarian diet on parameters of nutritional status in patients with rheumatoid arthritis. Clinical Rheumatology 12, 62-69, Müller H, Wilhelmi de Toledo F, Resch K-L (2001): Fasting followed by vegetarian diet in patients with rheumatoid arthritis: a systematic review. Scandinavian Journal of Rheumatology 30, 1-10.
5)
Kuhn C (1999): Heilfasten. Freiburg: Herder, Lützner H (1993): Aktive Diätetik. Fasten, Intensivdiätetik, Ernährungstherapie. Stuttgart: Hippokrates
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mythen.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/20 10:40 von Jakob Berg