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Historie des Fastens

Über Jahrtausende gab es für Menschen regelmäßig ausgedehnte Zeiträume ohne den Konsum von Nahrung. Allerdings waren diese in der Regel nicht freiwillig. Stattdessen gab es bis vor Kurzem einfach noch keine Möglichkeit einfach und regelmäßig an Nahrung zu kommen, oder diese beispielsweise in einem Kühlschrank zu lagern.

Manchmal war die Jagd und das Sammeln von Nahrung erfolgreich, manchmal eben nicht. In der Folge gab es für unsere Steinzeit-Vorfahren immer wieder Perioden in denen keine oder nur sehr wenig Nahrung zur Verfügung stand.

Dies änderte sich erst mit der Erfindung des Ackerbaus (ca. 10.000 v. Chr.). Die Agrarrevolution erlaubte es den Menschen mit einer höheren Sicherheit ein kontinuierliche Versorgung mit Nahrung sicherzustellen.1)

Da Fasten den freiwilligen Verzicht auf Nahrung bedeutet, beginnt die Geschichte des Fastens erst um diese Zeit. Erst seit der Erfindung des Ackerbaus haben Menschen wirklich die Wahl auf Nahrung zu verzichten und sind eben nicht auf jede Kalorie zum Überleben angewiesen.

In der modernen Geschichte wurde die Wichtigkeit des Fastens von den meisten berühmten Ärzten und religiösen Führern erkannt und betont.

Fasten im Antiken Griechenland

Beispielsweise wurde bereits im Antiken Griechenland wurde mehr und mehr Menschen bewusst, dass Übergewicht ein reales Gesundheitsrisiko darstellt.

Einer der bekanntesten Ärzte dieser Zeit war Hippokrates von Kos2), der auch als einer der Väter der modernen Medizin gilt. Er empfahl seinen Zeitgenossen Probleme mit Übergewicht durch regelmäßiges Fasten zu bekämpfen.

In diesem Sinne war Hippokrates einer der ersten Befürworter des Fastens und von ihm ist beispielsweise das folgende Zitat überliefert:3)

„Wer stark, gesund und jung bleiben will, heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“

Außerdem ist überliefert, das er seinen Zeitgenossen riet nur eine Mahlzeit pro Tag zu essen, was modernen Varianten des Fastens überraschend nahe kommt.4)

Weiter verbreitet wurden diese Ideen beispielsweise durch den berühmten griechischen Schriftsteller Plutarch5), welcher schrieb6)

„Statt Medizin zu nehmen, faste heute lieber.“

Ähnliches ist von nahezu allen griechischen Philosophen, wie Plato, Pythagoras oder auch Aristoteles überliefert.

Der Hauptgrund für die Popularität des Fastens zu dieser Zeit war, dass viele Ärzte und Gelehrte im antiken Griechenland glaubten, dass sich die besten medizinischen Behandlungen aus Beobachtungen in der Natur ableiten lassen. Die meisten Tiere und eben auch Menschen fasten automatisch wenn sie krank sind. Aus dieser Beobachtung leiteten sie ab, dass Fasten den Genesungsprozess unterstützt.

Außerdem waren viele Menschen bereits zu dieser Zeit davon überzeugt, dass Fasten beim Konzentrieren und Denken hilft.7)

Neben gesundheitlichen Gründen wurde Fasten vor allem auch aus spirituellen Gründen populär. In diesem Kontext stand meistens die reinigende Wirkung des Fastens und die damit verbundene nötige Willensstärke im Vordergrund. Von vielen Religionsstiftern wie Buddha, Jesus oder auch Mohammed ist überliefert, dass sie ihren Anhängern das Fasten nahe legten.8)

Fasten im Mittelalter

Im Mittelalter war es dann vor allem der deutsche Arzt Philippus Paracelsus, der zur Popularisierung des Fastens aus gesundheitlichen Gründen beitrug.9) Von ihm ist beispielsweise das folgende Zitat überliefert:

„Fasten ist die beste Medizin - der Doktor in uns.“

Außerdem galten zu dieser Zeit strenge Fastenregeln insbesondere zur christlichen Fastenzeit, die von der Kirche festgelegt wurden. In den 40 Tagen zwischen Aschermittwoch und Gründonnerstag, ausgenommen die Sonntage, war der Konsum von Fleisch und aller Tierprodukte verboten.

Fasten in der Modernen

Auch in den letzten Jahrhunderten gab es eine Vielzahl berühmter Persönlichkeiten, die sich für das regelmäßige Fasten aussprachen.

Beispielsweise Benjamin Franklin schrieb10)

„Die beste Medizin ist ruhen und fasten.“

Ähnlich äußerte sich auch der berühmte Schriftsteller Mark Twain11)

„Ein bisschen Hungern kann mehr für den durchschnittlichen kranken Mann tun, als die beste Medizin oder die besten Ärzte“

Zum Ende des 18. Jahrhunderts hin wurde es dann auch zum Trend, dass Menschen fasteten um andere Menschen zu unterhalten. Ein Zeugnis dieses Trends ist beispielsweise das Buch „Der Hungerkünstler“ von Franz Kafka.12)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fanden dann die ersten rigorosen Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen des Fastens statt. Eines der ersten wissenschaftlichen Papiere zum Thema wurde 1915 im „Journal of Biological Chemistry“ veröffentlicht und das Fasten als „perfekt sichere, harmlose und effektive Methode für Übergewichtige um Gewicht zu verlieren“ beschrieben.13)

Weitere Pioniere bei der wissenschaftlichen Untersuchung des Fastens waren Dr. W. L. Bloom14) und Dr. I. C. Gilliland15).

Allerdings wurde Fasten erst in den letzten 50 Jahren über Fachkreise hinaus populär, was hauptsächlich mit der stetig ansteigenden Zahl an übergewichtigen Menschen zusammenhängt.

Moderne wissenschaftliche Erkenntnisse im Kontext des Fastens sind hier zusammengefasst.

1)
Allerdings liegt der Verdacht nahe, dass sich der menschliche Körper evolutionär auf ausgedehnte Perioden ohne Nahrung eingestellt hat. Eine kontinuierliche Versorgung mit Nahrung ist erst seit ca. 12.000 Jahren möglich, ein Zeitraum der viel zu kurz ist als das sich unser Körper evolutionär darauf hätte einstellen können.
2)
ca. 450-370 v. Chr.
3)
Die Werke des Hippokrates. Die hippokratische Schriftensammlung in neuer deutscher Übersetzung. Herausgegeben von Richard Kapferer und Georg Sticke
4)
Hippokrates war auch in vielen anderen Aspekten seiner Zeit weit voraus. Beispielsweise erkannte er als einer der ersten wie gesundheitsfördernd regelmäßige sportliche Betätigung ist und auch, dass der Konsum gesunder Fette sich positiv auf den Körper auswirken können.
5)
ca. 46-120 v. Chr.
7)
Dieser Aspekt des Fastens lässt sich ebenfalls durch die evolutionäre Vergangenheit des Menschen verstehen. Wenn Nahrung knapp oder gar nicht vorhanden war, musste alle mentalen Kapazitäten aktiviert werden, um die Erfolgschancen der Suche nach Nahrung zu erhöhen.
8)
Das Fasten aus spirituellen Gründen wird hier ausführlich diskutiert.
9)
Paracelsus (1493-1541 n. Chr.) war ein Militärarzt, gilt als Gründer der modernen Toxikologie und ist insbesondere für den Satz „Die Dosis macht das Gift“ bekannt. Beispielsweise war es zu seiner Lebzeit üblich die Wunden von Verletzten mit Kuhmist zu bedecken. Er erkannte die damit verbundenen Gefahren und führte ein, dass Wunden stets sauber gehalten werden mussten um Entzündungen zu vermeiden.
10)
Benjamin Franklin (1706-1790 n. Chr.) war einer der Gründerväter der USA.
11)
1835-1910 n. Chr.
12)
Noch heute gibt es solche Hungerkünstler, wie den Magier David Blaine der 44 Tage in einem Würfel in London öffentlich fastete.
13)
Otto Folin and W. Denis, “On Starvation and Obesity, with Special Reference to Acidosis,” Journal of Biological Chemistry 21 (1915): 183–192.
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historie.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/18 14:47 von Jakob Berg